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Christen heute, Oktober 2022

Für Sie gelesen: Transsexualität 

  • Transsexualität
    Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Eine Streitschrift
    Herausgegeben von Alice Schwarzer und Chantal Louis
    KiWi-Taschenbuch, 30. März 2022

Die Bundesregierung plant, mit einem neuen Selbstbestimmungsgesetz die Rechte von Trans-Menschen zu stärken. Ziel ist die Überwindung von Diskriminierung aufgrund der geschlechtlichen Identität. Genau das fordern seit jeher auch Feministinnen. Dennoch äußern viele von ihnen gegen das Gesetzesvorhaben erhebliche Bedenken. Warum? Darüber informiert das Buch „Transsexualität“ mit Stimmen von Therapeutinnen, Pädagoginnnen, Müttern und Trans-Menschen. Ich fasse die wichtigsten Argumente zusammen. 

Was steht für Frauen auf dem Spiel?
Frauen sehen sich heute mit einer Bewegung konfrontiert, die ihnen verbieten will, sich als Frauen zu bezeichnen, sofern nicht alle mitgemeint sind, die erklären, sich als Frau zu fühlen. Eine Frau zu sein, soll mit Biologie nichts mehr zu tun haben. Als Simone de Beauvoir formulierte: „Man kommt nicht als Frau auf die Welt, man wird es“, war noch klar, dass sie sich nicht gegen Biologie wendete, sondern gegen gesellschaftliche Rollenzwänge. Heute ist es eher umgekehrt: Nicht die Geschlechter-Stereotypen sind falsch, sondern die Menschen, die nicht dazu passen, leben „im falschen Körper“.

Wo doch von biologischen Frauen die Rede ist, sollen sie für sich herabsetzende Begriffe übernehmen müssen wie „Cis-Frau“, „Uterusbesitzende“ oder „Menschen, die menstruieren“. Dagegen bestehen viele Feministinnen darauf: Menschen, die wissen, wie es sich anfühlt, ihre Tage zu bekommen, schwanger zu werden oder werden zu können, sind Frauen. Über diese und andere für sie spezifische Erfahrungen wollen sie sich als Frauen austauschen können, ohne deshalb wegen „Ausgrenzung“ angegriffen zu werden.

Frauen möchten in Toiletten, Umkleideräumen und Schlafsälen unter sich sein. Sie möchten Frauenquoten-Plätze nicht biologischen Männern überlassen (Tessa Ganserer), in Dating-Foren für Lesben nicht Trans-Menschen mit Penis daten (Studie von Angela Wild), als Mitarbeiterinnen in Schönheitssalons keine Trans-Hoden enthaaren (Jessica Yaniv), in Nacktbade-Bereichen für Frauen keine entblößten Penisse sehen (Darren Merager), als Häftlinge nicht mit Vergewaltigern im selben Frauengefängnis eingeschlossen sein (Karen White) und als Sportlerinnen nicht mit biologischen Männern konkurrieren (Lia Thomas). 

Was erwartet Mädchen, die erklären, Jungen zu sein?
Besonders alarmiert zeigen sich Alice Schwarzer und ihre Mitstreiterinnen darüber, dass immer mehr pubertierende Mädchen erklären, Jungen zu sein. Ende der 1960er-Jahre kam auf 14 Männer mit dem Wunsch, das Geschlecht zu wechseln, eine Frau. Inzwischen kommen auf einen Mann mit Transitions-Wunsch acht bis zehn Frauen, meist in der Pubertät. Ihre Zahl hat sich vervierzigfacht (Emma 5/22 S. 22). In manchen Schulklassen erklären bis zu vier Mädchen, trans zu sein.

Alarmierend ist das deshalb, weil die meisten von ihnen unumkehrbare chirurgische und hormonelle Eingriffe fordern, und das so schnell wie möglich, um die fortschreitende Pubertät aufzuhalten. Da die meisten Eltern derart weitreichende Entscheidungen so früh nicht verantworten wollen, wird ihnen angeboten, mit Pubertätsblockern Zeit zu gewinnen.

Diese Medikamente sind nur unzulänglich erforscht. Immer mehr Studien lassen ihren Einsatz bedenklich erscheinen. Klar ist: Kinder, die mit Pubertätsblockern behandelt werden, stagnieren zu einer Zeit, in der sich ihre Altersgenossen stark verändern. Sie zahlen also einen hohen Preis. Und der muss sich lohnen: Fast alle mit Pubertätsblockern behandelten Jugendlichen werden schließlich medizinisch „transitioniert“.

Die Behandlung von Frauen mit Testosteron führt zu unumkehrbaren Veränderungen. Lassen sie sich zusätzlich Brüste, Eierstöcke und Gebärmutter entfernen, können sie nie mehr schwanger werden und bleiben lebenslang abhängig von schwer dosierbaren Hormongaben mit erheblichen Nebenwirkungen. Viele erhalten neue, chirurgisch geformte primäre Geschlechtsorgane und unterziehen sich Schönheitsoperationen, um Figur und Physiognomie an das erträumte Geschlechter-Ideal anzugleichen. So werden die „Transitionierer“ zur Goldgrube für Kliniken (Tavistock) und für die Pharmaindustrie.

Medizinische Maßnahmen der Geschlechtsangleichung können ein Segen sein. Menschen mit Geschlechter-Dysphorie können oft nur dank derartiger Eingriffe mit ihrem Körper Frieden schließen. Aber womit haben wir es zu tun, wenn ganze Mädchen-Cliquen transitionieren wollen?

Angesichts der gravierenden gesundheitlichen Folgen sollte es selbstverständlich sein, jeden Transitionswunsch sorgfältig zu prüfen: Fühlt ein Mädchen sich im falschen Körper, weil sie mit Schminkköfferchen nichts anfangen kann? Verspricht sie sich von dem Geschlechtswechsel „männliche“ Freiheiten? Verstören sie die weiblichen Rollenbilder in den brutalen Pornos, die ihre Klassenkameraden mit ihr teilen? Fühlt sie sich wegen ihrer Homosexualität abgelehnt oder vom Schönheits-Wahn überfordert? Leidet sie unter einer Angststörung, einer traumatisierenden Gewalt-Erfahrung, Depression, ADHS oder Autismus?

All das muss bedacht werden, bevor mit der Diagnose Geschlechter-Dysphorie die Weichen gestellt werden für gravierende Eingriffe mit lebenslangen Folgen. Das neue Selbstbestimmungsgesetz beabsichtigt aber das Gegenteil: Der Geschlechterwechsel soll an keine gutachterlichen Voraussetzungen mehr geknüpft werden.

In „Transsexualität“ schildert eine Mutter, wie ihre Tochter ihr erklärte, ein Junge zu sein. Auf Einwände reagierte ihr Kind sektenhaft unduldsam mit angelesenen Fachbegriffen. Alle Therapeutinnen in ihrer Umgebung, die dem Wunsch der Tochter hätten auf den Grund gehen können, hatten wegen massiver Anfeindungen und juristischer Risiken aufgegeben. Übrig blieben nur Therapeuten, die praktisch jedem Transitionswunsch ohne vorherige Prüfung kritik- und bedenkenlos zustimmen.

Sind die Kinder nach ihrer Transition wenigstens glücklicher? Meistens nicht, warnt die amerikanische Journalistin Abigail Shrier. Immer mehr machen ihre Transition wieder rückgängig (Keira Bell, Charlie Evans).  

Wir brauchen eine sachliche Debatte
Ich halte diese Einwände für gravierend und wünsche mir vor der Verabschiedung des Gesetzes eine sachliche Debatte darüber. Danach sieht es aber nicht aus: In den sozialen Medien wird jedes Hinterfragen von Transitionswünschen als transphob gegeißelt. Die öffentlich-rechtlichen Medien berichten kritiklos zustimmend (Dossier „Ideologie statt Biologie im ÖRR“). Im Zeit-Interview darf der Queerbeauftragte Sven Lehmann das neue Gesetz anpreisen, ohne auf die medizinischen Risiken einer Transition auch nur angesprochen zu werden (Zeit Online, 17. Juli 2022). Und als Journalisten von der Bundesregierung wissen wollten, wie viele Trans-Menschen ihre Transition wieder rückgängig machen, wurden sie belehrt, dass ihre Frage von einem veralteten Weltbild zeuge (Lisa Caspari in Zeit Online, 30. Juni 2022). 

Dann hat wohl auch die Mutter ein veraltetes Weltbild, die nicht will, dass ihr Kind sich „in zehn Jahren vor den Zug schmeißt, weil es festgestellt hat: Jetzt bin ich keine Frau mehr, aber genauso unglücklich wie vorher.“