Wo ich politisch stehe?
Noch in den Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen am 5. November 2024 hatte ich keine Zweifel: Natürlich ist mein Platz bei den Progressiven, die sich einsetzen für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Ich hasste Trump und fieberte für Kamala Harris.
Angesichts des drohenden Klimakollaps politische Kräfte zu unterstützen, die den Klimawandel verharmlosen oder gar leugnen: Das kam für mich nicht in Frage. Lieber machte ich Abstriche bei anderen Themen.
So hätte ich mir angesichts des unmenschlichen Hamas-Massakers vom 7. Oktober von Progressiven wie Kamala Harris ein entschiedeneres Eintreten für Israel gewünscht. Auch störte mich, dass sie der Trans-Debatte auswichen: der Debatte also um biologische Männer im Frauensport oder um die Amputation von Körperteilen ohne medizinische Indikation.
Aber wie gesagt: Man muss Abstriche machen. Wer auch immer heute progressive Kräfte unterstützen will, wird die Erfahrung machen: Für die Sicherheits-Anforderungen Israels ist nicht viel Verständnis zu erwarten. Und die Trans-Ideologie ist gesetzt. Wer die nicht mitträgt, hat im progressiven Lager keine Partner mehr.
Also habe ich diese Ideologie eben hingenommen. Aber die amerikanischen Wählerinnen und Wähler waren dazu offensichtlich nicht bereit: Die Trans-Ideologie erwies sich als die vielleicht wirksamste Wahlkampf-Hilfe für Trump. Bei jeder Rally beschäftigte er sich ausführlich mit diesem Aufreger-Thema.
Nun regiert Trump wieder, und alle Befürchtungen haben sich bestätigt: Trump höhlt die Demokratie aus, geht brutal gegen Migranten vor, nimmt das Geld den Armen und gibt es den Reichen.
Für den Kampf gegen den drohenden Klima-Kollaps ist Trumps Präsidentschaft ein Alptraum. Ja, fast scheint es, als ob Trump mit seiner klimafeindlichen Agenda mittlerweile auch in Europa und in Deutschland durchregiert. Hier, wo inzwischen ebenfalls Konservative und Rechte das Sagen haben, achtet man vor allem darauf, sich mit dem Berserker im Weißen Haus gut zu stellen, um der heimischen Wirtschaft nicht zu schaden. Und nicht nur der Wirtschaft: Bedroht von Putins Imperialismus, fühlen wir unsere Abhängigkeit von der militärischen Stärke Amerikas, betteln um Trumps Wohlwollen und schrauben gleichzeitig unsere eigenen Verteidigungsausgaben in schwindelerregende Höhen, auf Kosten von Klimaschutz, sozialer Sicherheit, Bildung und Entwicklungshilfe.
Und, lässt sich daraus etwas lernen?
Vielleicht dies: Es hat sich als falsch erwiesen, die Auswüchse der Trans-Ideologie hinzunehmen. Und: Genausowenig sollte man sich davon versprechen, Kompromisse mit dem Antizionismus einzugehen.
Warum wir die Trans-Ideologie überwinden müssen
Selbstverständlich haben Menschen, die sich als queer und trans verstehen, denselben Respekt verdient wie alle anderen Menschen auch. Als angefeindete Minderheit müssen sie vor Gewalt geschützt werden. Und wo ein Mensch tatsächlich unter echter Geschlechter-Dysphorie leidet, mit seinem oder ihrem biologischen Geschlecht also keinen Frieden schließen kann: Da soll er oder sie alle erforderliche Unterstützung erhalten. Auch dann, wenn sich herausstellen sollte, dass eine medizinische Transition mit hormonellen und chirurgischen Eingriffen in seinem Fall der beste Weg ist.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn längst nicht alle Kinder, die transitionieren wollen, leiden tatsächlich unter echter Geschlechter-Dysphorie. Viele andere Gründe können für diesen Wunsch verantwortlich sein – und sind es meistens auch. Gründe wie: der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Peer Group; Homosexualität; tatsächliche oder vermeintliche Rollenerwartungen an Frauen; traumatisierende Gewalt-Erfahrungen; sexuelle Vorlieben; Depression, Autismus und anderes mehr.
In all diesen Fällen ist eine medizinische Transition der falsche Weg. Wer ihn dennoch geht, lässt sich von Ärzten und Pharma-Firmen nicht heilen, sondern in seiner Gesundheit lebenslang massiv beeinträchtigen, ohne davon einen Nutzen zu haben. Und wer sich überreden lässt, mit Pubertätsblockern die Entscheidung vorerst aufzuschieben, hat sie in Wahrheit bereits getroffen: Einmal aufgeschoben, lässt sich die Pubertät nicht mehr nachholen.
Bei fast allen Progressiven finden diese Einwände, so wissenschaftlich fundiert sie auch sind, kein Gehör. Aber die Zeit arbeitet gegen sie: Bald schon könnten sie ein Erwachen erleben, das so schmerzhaft sein wird wie vor Jahrzehnten die Einsicht der Grünen in die Verwerflichkeit des Pädophilie-Lobbyismus.
In den USA wird gerade eine Klagewelle vorbereitet von De-Transitionierern gegen die Trans-Kliniken, von denen sie überredet wurden zu Brustamputationen und anderen, medizinisch nicht angezeigten Verstümmelungen. Ihr Beispiel dürfte Schule machen. Früher oder später dürfte bekannt werden, worum es sich hier handelt: Wir stecken mitten in einem der größten, vielleicht sogar dem größten Medizin-Skandal der Geschichte.
Die Ideologie, die diesen Schaden anrichtet, wird sich auf die Dauer nicht durchsetzen. Noch verhext sie die klügsten progressiven Köpfe. Aber die Tage der Trans-Ideologie sind gezählt. Je früher die Progressiven ihren Fehler einsehen, desto besser – auch fürs Klima. Denn wie kann sich beim Klima glaubwürdig auf die Wissenschaft berufen, wer sich beim Thema Trans wissenschaftlich fundierter Ideologie-Kritik verweigert?
Warum wir den woken Antizionismus überwinden müssen
Die Trans-Ideologie kostet das progressive Lager viele Wählerstimmen. Gilt das auch für den linken Antisemitismus?
Fast scheint es, als ob das nicht der Fall wäre. Als ich kürzlich einem grünen Abgeordneten schrieb, dass ich ihn wegen seiner israelfeindlichen Tiraden nicht wählen könne, antwortete er mir, dass diese Positionierung mehr Stimmen bringe als koste.
Da mag er recht haben. Nach dem bestialischen Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 haben Jüdinnen und Juden kaum Solidarität und Mitgefühl erfahren. Stattdessen kam es zu einem drastischen Anstieg des Antisemitismus. Die Propaganda von Iran, Qatar und Hamas erwies sich als erfolgreich: In einer absurden Täter-Opfer-Umkehr wurde ausgerechnet denen Genozid vorgeworfen, die sich gegen die Genozid-Pläne ihrer Feinde wehren müssen. In die Welt gesetzt wurde dieser groteske Vorwurf von denen, die im Krieg ihren eigenen Frauen und Kindern den Zugang in das Tunnel-Netzwerk verweigerten, in dem sie selbst Schutz fanden. Die ihre Kinder stattdessen in gefährliche Kriegszonen schickten, um mit ihren Leichen auf Tiktok Stimmung gegen Israel machen zu können. Und die nun ihren Anhängern jeden Tag versprechen, der ersehnte Genozid an den Juden sei nur aufgeschoben.
Dass es zu dem Bündnis zwischen linken Antizionisten und islamistischen Judenschlächtern kommen konnte, ist grotesk genug. Noch grotesker ist, dass es diesem Bündnis zu gelingen scheint, den Israelhass mehrheitsfähig zu machen.
Doch auf die Dauer dürfte sich dieser Erfolg als trügerisch erweisen. Denn dass eine Mehrheit der Deutschen den Krieg in Gaza nicht versteht, bedeutet nicht, dass sie sich islamistische Verhältnisse in Deutschland wünscht. Und das sind nun einmal die Verhältnisse, denen die linken Antizionisten, ihren hehren Idealen zum Trotz, als nützliche Idioten zuarbeiten.
Früher oder später dürfte dieses Bündnis entweder an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen oder als das makabre Kabarett-Programm offenbar werden, das es ist. Auch „Queers für Palästina“ wollen nicht – wie die Queers in Palästina – an Mopeds gefesselt zu Tode geschleift werden. Und um, wie Greta Thunberg, einen positiven Zusammenhang herstellen zu können zwischen der Blut-und-Boden-Ideologie des Palästinismus und dem Klimaschutz: Dazu muss man ideologisch sehr gefestigt sein.
Nein: Dass der linke Antizionismus sich auf Dauer auszahlen wird, glaube ich nicht. Doch werden die Progressiven diesen Klotz am Bein jemals wieder los?
Ideologie schlägt Realitätssinn
Die Videos von den Gräueltaten der Hamas sind zu schrecklich, als dass ich sie ertragen könnte. Aber wissen wollte ich doch, was die Terroristen am 7. Oktober unschuldigen Menschen angetan haben. So bin ich auf Douglas Murrays aktuelles Buch gestoßen: „On Democracies and Death Cults: Israel and the Future of Civilization“. Und weil mich dieses Buch überzeugt hat, habe ich gleich auch noch seinen „War on the West“ gelesen.
Seitdem glaube ich nicht mehr, dass die Amerikaner am 5. November 2024 die Wahl hatten zwischen Licht – Kamala Harris – und Schatten – Trump.
Im Westen tobt ein Kulturkampf. Beide Seiten nehmen es mit der Wahrheit nicht genau. Bei den Konservativen ist es die „Mein-Land-zuerst“-Doktrin, die den Blick auf die sich entfaltende Klimakatastrophe verstellt. Im progressiven Lager ist es vor allem die Postkolonialismus-Theorie, die die Köpfe verdreht.
Postkolonialismus, Critical Race Theory, Identitätspolitik: Über diese heiligen Kühe der Linken muss ich nun schreiben, obwohl ich sie nicht gut kenne. Denn ich kenne sie fast ausschließlich aus den Darstellungen ihrer Gegner. Wenn Sie sich also ein objektives Bild machen möchten, informieren Sie sich bitte anderswo. Hier erlaube ich mir eine kurze Skizze, die nur verdeutlichen soll, warum diese Theorien nach meinem Eindruck die Progressiven um ihre Mehrheitsfähigkeit bringen.
Den Kolonialismus lehnen wir hoffentlich alle ab. Aber von Postkolonialismus sprechen wir nur, wenn der Kolonialismus zur Wurzel allen Übels erklärt wird. Genauer: Der westliche Kolonialismus. Nicht der Kolonialismus der islamischen Länder: Dass diese länger Sklaven hielten als die westlichen Länder, dass in ihnen unmenschliche Praktiken wie die Kastration der Sklaven gang und gäbe waren – geschenkt: Böse ist im Postkolonialismus nur der Westen.
Aber, so ein möglicher Einwand: Hat der Westen denn nur Schlechtes hervorgebracht? Verdanken wir ihm nicht vielmehr auch Gutes, wie: Jahrzehnte mehr Lebenserwartung, Waschmaschinen, Demokratie, Menschenrechte, Impfschutz, freies Wochenende, Internet und, und, und?
Postkolonialisten wollen das nicht hören: Wer so redet, glauben sie, setzt andere Kulturen herab, outet sich also als Rassist.
Noch ein möglicher Einwand: Finden sich sämtliche Verbrechen, die man dem Westen vorwerfen mag, nicht ebenso in anderen Kulturen?
Auch das ist für Postkolonialisten kein Thema. Wenn doch einmal von Versäumnissen anderer Kulturen die Rede ist, werden diese so erklärt, dass am Ende wiederum der Westen schuld ist. So wird ein ungeschickter Zungenschlag Obamas zur wahren Ursache von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine, und aus der Hamas wird ein Produkt Netanjahus. Der Unterschied zwischen Freiheit und Tyrannei wird so verwischt.
Israels Rolle in der Postkolonialismus-Ideologie
Absurderweise hat Israel in der postkolonialistischen Ideologie die Rolle des Kolonialismus-Staats par excellence. Dabei ist Israel geradezu das Gegenteil eines kolonialistischen Projekts: Seine jüdischen Begründer waren keine Kapitalisten, sondern hatten sozialistische Ideale. Sie kamen nicht, um ein reiches Mutterland durch Ausbeutung fremder Länder noch reicher zu machen. Sondern sie kamen, weil sie kein Mutterland mehr hatten und auch sonst kein Land, das sie aufnehmen wollte. Sie kamen nicht als Ausbeuter, sondern als Ausgestoßene mit einer tiefen, jahrtausendealten kulturellen und religiösen Bindung an das Land. Ihre erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit im Land war es, die die arabischen Bevölkerungszahlen ansteigen ließ. Auch hatte es im Land immer schon Juden gegeben: Sie waren also selbst Indigene. Sie halfen, das Land von den britischen Kolonialherren zu befreien, und machten so den Weg frei auch für einen palästinensischen Staat – und es waren nicht sie, sondern die Palästinenser, die diesen ablehnten.
Wenn die Juden Palästinenser vertrieben oder in die Flucht schlugen, dann deshalb, weil diese die Zweistaatenlösung der UNO ablehnten und stattdessen mit Hilfe kriegführender arabischer Nachbarländer alle Juden in Palästina vertreiben wollten – oder ermorden: Die jüdischen Verteidiger Israels wandten sich gegen nicht weniger als gegen den Holocaust 2.0.
Heute gibt es ungefähr genauso viele Nachkommen von Juden, die aus den arabischen Ländern verstoßen wurden, wie Palästinenser, deren Vorfahren den neu gegründeten Staat Israel verlassen mussten. Viele der arabischen Juden fanden in Israel Zuflucht. Der postkolonialistische Vorwurf, Israel sei ein weißes Siedlerprojekt, ist deshalb absurd: Die Hälfte von Israels jüdischer Bevölkerung lässt sich von Arabern physiognomisch gar nicht unterscheiden, weil es sich um die Nachkommen von Vertriebenen aus arabischen Ländern handelt. Der Anteil von Juden mit europäischen Vorfahren an Israels Gesamtbevölkerung beträgt gerade mal ein Drittel. Und während heute unter Israels zehn Millionen Einwohnern zwei Millionen Araber leben, ausgestattet mit denselben Bürgerrechten wie ihre jüdischen Nachbarn, leben in den arabischen Staaten unter 400 Millionen Einwohnern nur noch wenige tausend Juden. Viele arabische Staaten sind vollständig „judenrein“.
Doch all das interessiert Postkolonialismus-Ideologen nicht: Für sie ist Israel der Kolonialstaat schlechthin. Gleichzeitig infantilisieren sie die gesamte arabische Welt, indem sie alle ihre Versäumnisse zu Spätfolgen der kolonialistischen Unterdrückung erklären. Daher sind auch die Hamas-Terroristen in ihren Augen keine Terroristen. Die Entsetzlichkeit ihrer Taten gilt ihnen als Indiz für die Verwerflichkeit der israelischen Besatzung. – Besatzung? Seit 2005 war Gaza nicht mehr besetzt und hatte jede denkbare Unterstützung aus dem Ausland, von den eigenen Bodenschätzen nicht zu reden, um sich zu einer wohlhabenden Region zu entwickeln. Aber auch das wissen die Postkolonialismus-Ideologen wegzuerklären: Noch nie hat sich eine beinharte Ideologie von Fakten irritieren lassen.
Weitere woke Fehlentwicklungen
Auch die Critical Race Theorie wirkt nur auf den ersten Blick befreiend. Wie die Postkolonialismus-Theorie die Repression, die sie angeblich abschaffen will, tatsächlich fördert: So erweist sich die Critical Race Theorie als ihrerseits rassistisch. Nur dass sich ihr Rassismus nicht gegen Schwarze richtet, sondern gegen Weiße. Das hilft am Ende aber auch den Schwarzen nicht. Denn wer, wie die CRT, den Rassismus für unüberwindbar erklärt, zementiert die gesellschaftliche Spaltung, unter der alle leiden.
Gescheitert ist in den USA auch das woke Projekt der Identitätspolitik: der Wahn also, immer mehr angeblich oder tatsächlich benachteiligte Minderheiten proportional am Zugang zu Bildung und wirtschaftlichem Erfolg zu beteiligen. Die Gesellschaft wurde so nicht geeint, sondern in immer mehr fragmentierte Gruppen aufgespalten. Personal-Entscheider mussten hervorragend qualifizierte Bewerber ablehnen, weil sie die falsche Hautfarbe, das falsche Geschlecht, die falsche sexuelle Neigung oder den falschen sozialen Hintergrund hatten. Den Zuschlag erhielten schlechter qualifizierte Bewerber mit den vorgeschriebenen sozialen Parametern. Spitzen-Forschung auf höchstem Niveau lässt sich so nicht etablieren.
Nehmen wir dazu, dass die woke Etikette es verbietet, Integrationsprobleme von Migranten – natürlich nicht von allen! – offen anzusprechen, sodass misogyne Halbstarke ungestört junge Frauen belästigen und islamistische Hassprediger unbehelligt zu Gewalt aufrufen können: Dann brauchen wir uns nicht mehr zu wundern, dass Wählerinnen und Wähler sich für konservative und rechte Parteien entscheiden.
Leider haben jedoch die Konservativen ebenfalls Scheuklappen, nur eben bei anderen Themen. Allen voran beim Klimawandel. Fragen wir also: Was hindert Konservative daran, die Realität der Erderhitzung anzuerkennen und entsprechend zu handeln?
Was hindert die Konservativen an ernsthaftem Klimaschutz?
In das linke Narrativ passt der Klimawandel ausgezeichnet: Man kann dem Westen die Schuld geben und die kapitalistische Ressourcen-Verschwendung ebenso anprangern wie die Gier nach Öl. Dass die Katastrophe sich nur in internationaler Zusammenarbeit abwenden lässt, ist ein starker Einwand gegen die rechte „America first“- bzw. „Mein-Land-zuerst“-Doktrin. Und nicht zuletzt ist Klimagerechtigkeit eine soziale Forderung.
Genau deshalb aber passt der Klimawandel den Konservativen nicht ins Konzept. Hinzu kommt, dass Konservative die überfällige Transformation hin zu einer klimafreundlichen Kreislaufwirtschaft als Störung ihres Lebensstils wahrnehmen: Konservative wollen auf Fleisch, Fisch und Käse nicht verzichten. Sie hängen an Fernreisen, großen Autos und Privatjets. Wenn sie Auto fahren, möchten sie beim Kuppeln und hoch- oder niedertourig Fahren ihre Persönlichkeit ausdrücken – das spricht gegen E-Autos. Auch wollen sie nicht mit Deutschlandticket-Sparfüchsen im selben überfüllten Zugabteil sitzen. Überhaupt schmeckt ihnen das alles zu sehr nach Gleichmacherei, staatlichen Eingriffen und Verboten. Und wenn sie ihr gutes Geld mit fossilen Energien verdienen, dann soll diese Quelle auch in Zukunft weiter sprudeln.
Da haben wir den Salat:
Auf der einen Seite sind die Progressiven. Sie haben die Dringlichkeit von Klimaschutz im Grunde begriffen, sind aber wegen ihrer ideologischen Exzesse für die Mehrheit des Wahlvolks unwählbar.
Auf der anderen Seite sind die Konservativen. Sie gewinnen Mehrheiten mit ihrem ansteckend genussorientierten Lebensstil, ihrer ideologiefreien Unverschämtheit und ihrem Versprechen von Sicherheit. Aber das Klima interessiert sie nicht.
So stellt sich die Frage: Was ist aussichtsreicher: Die Progressiven von ihren ideologischen Scheuklappen zu befreien – oder die Konservativen von der Notwendigkeit des Klimaschutzes zu überzeugen?
Versucht werden muss wohl beides. Aber wer erlebt hat, wie feindselig progressive Palästina-Romantiker und Trans-Enthusiasten auf die naheliegendsten Fragen reagieren; mit welcher unerbittlichen Konsequenz sie ihre Ideologie gegen alle störenden Fakten immunisieren: Der wird sich wahrscheinlich doch eher an die Konservativen halten, so uneinsichtig diese leider ebenfalls nach wie vor sind.
Fragen wir also:
Was könnte Konservative für Klimaschutz motivieren?
Anders als Amerikas Rechte, streiten Deutschlands Konservative die Realität des Klimawandels nicht rundweg ab. Es ist also schon etwas da, auf das sich aufbauen ließe.
Hinzu kommt, dass die Konservativen im Kampf gegen die Erderhitzung eigentlich Verbündete sein müssten, wenn sie nur ihre eigenen Werte ernstnehmen würden:
- Konservative wollen die Natur und die Heimat für ihre Nachkommen bewahren.
- Konservative wollen technologieoffen sein. Warum nicht auch offen für die ökologischen Zukunfts-Technologien?
- Konservative wollen die führende Stellung Deutschlands auf den internationalen Märkten aufrechterhalten. Das geht nur, wenn der rasche Umstieg von fossilen auf klimaschonende Technologien gelingt.
- Konservative wollen auf den Kriegsfall vorbereitet sein. Daher sollten sie zu gewinnen sein für eine dezentrale Energieversorgung mit Wind- und Solarenergie plus regionalen Speicherlösungen. Denn so könnte ein Aggressor nicht mit wenigen Luftschlägen auf Großkraftwerke das Land lahmlegen. Dieses Argument spricht auch für Wärmepumpen und E-Autos, da diese nicht von Öl und Gas aus dem Ausland abhängig sind.
- Konservative haben den Anspruch an sich selbst, unideologisch zu sein und Fakten anzuerkennen. Daher müssten sie sich eigentlich durch die sachliche Darstellung der Fakten von der Notwendigkeit von Klimaschutz überzeugen lassen.
- Konservative wollen Eigentum schützen. Extremwetter erzeugen aber Unordnung und zerstören Besitz.
- Konservative legen Wert auf gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der wird durch den Klimawandel bedroht.
- Konservative nehmen die Migration aus den Entwicklungs- und Schwellenländern als Bedrohung wahr. Umso mehr müssten sie ein Interesse daran haben, dass die Menschen dort nicht migrieren müssen, weil sie zuhause ihr Auskommen finden. Das geht nur, wenn der Klimawandel nicht so weit fortschreitet, dass er ihre heute schon beeinträchtigten Lebensgrundlagen vollends zerstört.
Linke mögen zurecht argumentieren, dass wir als ehemalige Kolonialherren und CO2-Schuldner moralisch verpflichtet sind, internationale Klimaschutz-Verpflichtungen zu übernehmen. Aber Konservative kann man mit diesem Argument jagen. Deshalb muss man bei ihnen anders argumentieren:
Wir haben so viel erreicht. Genau deshalb kann es uns nicht gleichgültig sein, dass nun das alles auf dem Spiel steht. Gerade weil wir unsere zivilisatorischen Errungenschaften schätzen, wollen wir sie nicht durch den Klimawandel wieder verlieren. Also lasst uns ihn stoppen. Nicht aus schlechtem Gewissen, sondern weil wir es können.
Noch stößt Klimaschutz im konservativen Lager auf viel Widerstand und Desinteresse. Menschen ändern sich eben nicht gern – das gilt für Konservative besonders. Aber auch in konservativen Kreisen kursiert der Satz: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern.“
Daran ließe sich anknüpfen. Und es geschieht bereits: Auch in der Union gibt es Mitglieder, die sich für Klimaschutz einsetzen.
Noch betrachten Unions-Strategen den Klimaschutz als Thema, bei dem für Konservative nichts zu gewinnen sei, weil es bereits von den Grünen und Linken besetzt sei. Was sie übersehen: Viele Klima-Bewegte möchten die Grünen und Linken nicht mehr wählen, weil sie deren ideologische Eskapaden nicht länger mittragen wollen. Sie möchten aber auch nicht eine konservative Partei wählen, die der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen tatenlos zusieht. Und sie werden das immer weniger wollen, je weiter die Klimakrise fortschreitet.
Sollte sich also die CDU zu engagiertem Klimaschutz entschließen, so würde sie ein wachsendes Reservoir an potentiellen Wählerinnen und Wählern ansprechen, die ihr eigentlich nahestehen.
Liebe Konservative, worauf wartet ihr?
Weiterführende HInweise
(Die meisten englischsprachigen Titel sind auch auf Deutsch erhältlich.)
Zur Erderhitzung:
- Bücher, Podcasts und andere Beiträge von Katharine Hayhoe, Michael Mann, Volker Quaschning, Claudia Kemfert, Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf u. a.
Zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023, den Hintergründen und Folgen:
- Douglas Murray (2025): On Democracies and Death Cults. Israel and the Future of Civilization
- Adi Schwartz und Einat Wilf (2020): The War of Return. How Western Indulgence of the Palestinian Dream has destructed the Path to Peace
- Interviews und Vorträge von Einat Wilf auf YouTube
- Podcasts von Haviv Rettig Gur (“Ask Haviv Anything” u. a.)
Zum Thema Trans:
- Helen Joyce (2021): Trans. When Ideology meets reality
- Abigail Shrier (2021): Irreducible Damage. Teenage Girls and the Transgender Craze
- Alice Schwarzer und Chantal Louis (Hg.) (2022): Transsexualität. Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Eine Streitschrift
- Cass-Report (2024)
- YouTube-Kanal Beyond Gender