7. Oktober

Warnung: Ich muss hier Entsetzliches mitteilen. 

Ich schreibe diese Zeilen Ende Juli 2025. Die Welt blickt zurecht voller Anteilnahme auf das Leid in Gaza. Verantwortlich gemacht wird dafür häufig Israel. Und natürlich kann man Israel nicht völlig aus der Verantwortung für die Art seiner Kriegsführung entlassen. Aber dem Krieg voraus ging das Massaker vom 7. Oktober 2023. Israel kämpft gegen einen unfassbar grausamen Feind. Gegen Terroristen, die aus der Deckung ihrer eigenen Frauen und Kinder heraus auf Soldaten schießen.

Die Bestialität der Hamas wird oft mit dem Verweis auf den Nahostkonflikt ganz oder teilweise gerechtfertigt. Blicken wir also zurück: Lässt sich eine Ursache dieses Konflikts benennen?

Der Schlüssel zum Verständnis ist seit den 1940er-Jahren derselbe geblieben, meinen Adi Schwartz und Einat Wilf, Autor und Autorin von „Der Kampf um Rückkehr“. Was sie anhand zahlreicher zeitgeschichtlicher Dokumente belegt haben, möchte ich hier kurz wiedergeben, ergänzt um einige aktualisierte Zahlen:

Der Schlüssel zum Konflikt nach Schwartz und Wilf
Während die Jüdinnen und Juden früh einen eigenen Staat wollten, wollten die Palästinenser – so Schwartz und Wilf – nicht etwa ebenfalls einen eigenen, palästinensischen Staat in friedlicher Nachbarschaft zum jüdischen. Stattdessen ging es ihnen darum, den jüdischen Staat zu verhindern und dann – bis heute – zu zerstören.

Aber ist diese Feststellung nicht zu pauschal? Hat denn die Palästinensische Autonomiebehörde nicht das Existenzrecht Israels längst anerkannt und fordert heute nur noch die Zweistaatenlösung?

Schwartz und Wilf haben gezeigt: Als die palästinensische Seite das Existenzrecht Israels anerkannte, also auf die Zweistaatenlösung einging, meinte sie nicht einen jüdischen und einen palästinensischen Staat, sondern zwei palästinensische Staaten. Denn die Zweistaatenlösung verbanden und verbinden die Repräsentanten der Palästinenser stets mit der Forderung nach dem, was sie das „Rückkehrrecht der Flüchtlinge“ nennen: mit der Forderung also, dass Nachkommen palästinensischer Flüchtlinge – mittlerweile etwa sechs Millionen – ein Anrecht auf israelische Staatsbürgerschaft bekommen sollen. Die meisten von ihnen sind dem Staat Israel feindlich gesinnt. Die Juden hätten dann in ihrem eigenen Land keine Mehrheit mehr – Israel als jüdischer Staat wäre Geschichte.

Diese Forderung wird von westlicher Seite gern heruntergespielt. Man behauptet dann, es würde ja ohnehin nur ein kleiner Teil der palästinensischen „Flüchtlinge“ zurückkehren. Die jüdische Mehrheit bliebe also bestehen. Doch das ist eine völlig aus der Luft gegriffene Spekulation, für die Israel seine Sicherheit nicht aufs Spiel setzen kann.

Wie fragwürdig und gefährlich das so genannte “Rückkehrrecht” ist, zeigen folgende Fakten:

  • Die Flucht und Vertreibung der Palästinenser in den 1940er-Jahren war eine Folge der kriegerischen Absicht der arabischen Staaten, alle Jüdinnen und Juden in Israel entweder zu vertreiben oder zu ermorden.
  • Nach der Staatsgründung Israels mussten ähnlich viele Juden aus arabischen und anderen islamisch geprägten Ländern fliehen wie umgekehrt Palästinenser aus Israel.
  • Für die Nachfahren dieser vertriebenen Juden ist von einem Rückkehrrecht keine Rede.
  • In Israel leben heute – bei einer Gesamtbevölkerung von etwa zehn Millionen Menschen – etwa zwei Millionen Palästinenser. Ihre Situation ist nicht ideal, aber sie haben Wahlrecht, sind vor dem Gesetz gleich und genießen das Privileg, keinen Wehrdienst leisten zu müssen.
  • Umgekehrt leben in den umliegenden arabischen Ländern – bei einer Gesamtbevölkerung von gut 400 Millionen – nur noch wenige tausend Jüdinnen und Juden.
  • In einem künftigen Palästina werden – so die Forderung auch der angeblich gemäßigten Autonomiebehörde – überhaupt keine Juden leben.

Vor diesem Hintergrund kann es dauerhaften Frieden erst geben, wenn die palästinensische Seite Israels Recht anerkennt, als jüdischer Staat zu existieren – was einschließt, dass sie auf das so genannte „Rückkehrrecht“ verzichtet. Erst dann wäre auch der Abzug der jüdischen Siedler aus dem besetzten Westjordanland ein Beitrag zum Frieden. Denn es wäre nichts gewonnen, wenn Israel nach Gaza nun auch noch das Westjordanland der Hamas überlassen würde, als Ausgangspunkt für das nächste Massaker an jüdischen Zivilisten.

Der 7. Oktober
Wer die Reaktion Israels auf das Massaker vom 7. Oktober für „übertrieben“ hält, dem oder der würde ich am liebsten sagen: Lies zuerst das aktuelle Buch von Douglas Murray. Und dann reden wir.

Douglas Murray war bereits vor dem 7. Oktober immer wieder in Israel. Sobald er von dem Massaker erfuhr, begab er sich erneut dorthin, blieb sechs Monate dort und kam auch danach mehrmals wieder. Er sprach mit Opfern des Massakers und ihren Angehörigen, mit Politikern und Militärs, begleitete die israelische Armee bei Einsätzen in Gaza und im Libanon, sprach mit Zivilisten in Gaza ebenso wie mit Israelis aus dem von der Hizbollah bedrohten Norden, begegnete gefangenen Hamas-Terroristen und sah, was die Hisbollah unter den Augen der UN-Friedensmission für das nächste Massaker, den 7. Oktober 2.0 in Israels Norden, bereits vorbereitet hatte.

Murrays Schilderung des 7. Oktober lässt mich nicht mehr los. Es war nicht nur ein unfassbar bestialischer Gewaltakt der Hamas: Palästinensische Zivilisten schwärmten aus, um zu plündern, in den überfallenen Siedlungen ebenso wie auf dem Parkplatz des Nova-Festivals. Fanden sie dort einen Israeli, meldeten sie ihn den Terroristen, damit sie ihn erschossen.

In Gaza selbst fanden israelische Soldaten später in jedem zweiten bis dritten Wohnhaus Waffen. Die Soldaten hatten bald heraus, wo sie die Waffen finden würden: Sie suchten nicht im Wohnzimmer oder in der Küche, sondern gingen direkt ins Kinderzimmer, wo die Raketen lagerten, versteckt unter Kinderbetten und -krippen.

Solidarität mit den Mördern
Derweil wurde im Westen nicht etwa gegen die Gewalt der Täter demonstriert, sondern gegen die israelischen Opfer: Ihre Hinterbliebenen wurden bedroht, Bilder der Geiseln von den Wänden gerissen. Feministinnen, die sonst vehement gegen sexuelle Gewalt eintreten, schwiegen beharrlich zu den brutalen Vergewaltigungen der Hamas-Terroristen. Dozentinnen und Studenten von Elite-Unis in den USA solidarisierten sich nicht mit den Gefolterten, sondern mit den Folterern. Und während die palästinensische Kufiya überall stolz getragen wird, wagen Jüdinnen und Juden nicht mehr, ihre Identität öffentlich zu zeigen. Auch in Deutschland nicht. Fassungslos hat Murray auch diese Entwicklungen weltweit verfolgt und in seinem Buch dokumentiert.

Hass ohne Maß und Ziel
Nach der Lektüre bedrückte mich tagelang ein Gedanke: Wie schrecklich muss es sein, neben Nachbarn leben zu müssen, die einen derart maßlos hassen. Gegen diesen Hass können die Israelis nichts tun. Auch wer sich für die Palästinenser eingesetzt hatte, beispielsweise jahraus, jahrein jedes Wochenende kranke Kinder aus Gaza in israelische Spezialkliniken gebracht hatte, wurde am 7. Oktober ermordet.

Mir tun alle Menschen leid – Jüdinnen und Juden, Palästinenserinnen und Palästinenser und alle anderen Menschen –, die leiden mussten und müssen unter dem entsetzlichen Massaker vom 7. Oktober und unter der militärischen Antwort Israels. Und ja: Der Zugang der Bevölkerung von Gaza zu genügend Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung muss gesichert sein. Im Westjordanland müssen die Palästinenser vor der Gewalt der Siedler geschützt werden.

Aber wer, wie die Hamas, Kinder bei lebendigem Leib verbrennt; wer Frauen so brutal vergewaltigt, dass ihre Knochen brechen, sie währenddessen erschießt und die Leiche weiter vergewaltigt; wer Familien gemeinsam foltert, sodass Eltern und Kinder einander bei den entsetzlichsten Todesqualen zusehen müssen; wer entschlossen ist, diese monströsen Verbrechen wieder und wieder zu begehen: Für den muss gelten, was im Zweiten Weltkrieg für die Nazis galt: Alles, was nötig ist, um diese Bedrohung auszuschalten, ist gerechtfertigt.

  • Douglas Murray: On Democracies and Death Cults: Israel and the Future of Civilization. Harper Collins (US) 2025

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