Ein Zionist ist, wer sich zu Israel als jüdischem Staat bekennt. Wenn das wahr ist, dann bin ich ein Zionist, auch wenn ich kein Jude bin.
Zionisten sehen sich mit folgendem Vorwurf konfrontiert:
„Zionismus bedeutet die Unterdrückung des indigenen Volks der Palästinenser in deren Heimatland durch kolonialistische Einwanderer, die israelischen Juden. Diese haben den Palästinensern ihr Land weggenommen und müssen es wieder zurückgeben.“
Ich werde jetzt erklären, warum ich das für falsch halte.
Um welches Land geht es?
Wie ich es auch bezeichne – irgendjemanden werde ich verärgern, denn alle seine Namen sind politisch aufgeladen. Ich nenne es „das Land“: das heutige Israel, Gaza, die Westbank, Ostjerusalem, der Golan.
In diesem Land sind die Palästinenser Indigene. Die Juden aber auch. Und das nicht nur, weil ihre Vorfahren einst hier gelebt hatten, wie sich heute durch Erbgut-Analysen nachweisen lässt. Sondern auch, weil sie nie verschwunden waren: Seit über 3000 Jahren gab es immer Juden in dem Land. Und die Juden, die anderswo lebten, haben immer in ihrer Kultur und Religion eine enge Verbundenheit mit dem Land aufrechterhalten.
Dazu nun ein kurzer geschichtlicher Rückblick.
Wurzeln: das Land in der Bibel
Völkerrechtliche Ansprüche lassen sich nicht durch heilige Schriften begründen, auch nicht durch die Bibel. Aber ohne die Bibel lässt sich die Bedeutung des Landes für die Juden nicht verstehen.
Nach der Bibel beginnt die Geschichte des Volkes Israel mit Abraham, in dem Juden wie Araber ihren Urvater sehen. Was an Abraham historisch ist, lässt sich nicht mehr feststellen. Aber die in der Bibel geschilderten Umstände deuten auf eine Zeit, die etwa 4000 Jahre zurückliegt.
Abraham wurde von Gott gerufen, sich in Kanaan anzusiedeln, wie das Land im Altertum hieß. Hier würden seine Nachkommen einmal leben. Daher zog Abraham mit seiner Frau Sara aus Ur, gelegen im heutigen Irak, nach Kanaan.
Ein Enkel Abrahams und seiner Frau Sara hieß Israel. Dessen zwölf Söhne und ihre Familien blieben nicht in Kanaan: Um einer Hungersnot zu entgehen, zogen sie nach Ägypten. Dort lebten ihre Nachfahren für einige Generationen. Anfangs willkommen, wurden sie immer mehr unterdrückt. Daher war schließlich ihr Auszug aus Ägypten mit Moses ein Befreiungsschlag.
Die historisch gesicherte Zeit beginnt um 1250 v. Chr. mit der Landnahme Kanaans durch die Israeliten.
Die Landnahme wird in dem biblischen Buch Josua geschildert als ein kurzer, brutaler Eroberungskrieg. Andere biblische Bücher sowie archäologische Funde sprechen jedoch dafür, dass sie anders verlief: viel friedlicher, über mehrere Generationen hinweg.
Um die Wende vom zweiten zum ersten Jahrtausend wurde Israel zu einem Königreich. Im zehnten Jahrhundert v. Chr. entstand unter König Salomo der erste Jerusalemer Tempel.
Nach Salomos Tod um 926 v. Chr. brach das Königreich auseinander in das Nordreich Israel und das Südreich Juda mit Jerusalem als Zentrum.
Kolonisiert: von den Assyrern bis zum 19. Jahrhundert
Das Nordreich wurde 722 von den Assyrern erobert, das Südreich 587 von den Babyloniern. Die zerstörten den Tempel und deportierten einen Großteil der Bevölkerung Judas nach Babylonien (heute im Irak).
Damit begannen Jahrtausende der Fremdherrschaft, die – mit einer Unterbrechung von etwa 100 Jahren – bis zur Gründung Israels im Jahr 1948 andauerte.
Nach den Babyloniern kamen die Perser. Deren König Kyros II. erlaubte 538 die Rückkehr der exilierten Juden nach Jerusalem. Dort erbauten sie den zweiten Tempel und führten den Tempelkult wieder ein.
332 eroberte Alexander der Große das Land. Damit begann Israels hellenistische Epoche. Während dieser Zeit konnten die Juden ihre Religion meistens ausüben, waren aber erheblichem Druck ausgesetzt, die griechische Kultur und Religion zu übernehmen.
Als 167 die jüdische Religion geradezu verboten wurde, brach das Priestergeschlecht der Makkabäer einen Aufstand los, der sie an die Macht brachte und die Fremdherrschaft für etwa hundert Jahre beendete. Die Makkabäer begründeten die Königsdynastie der Hasmonäer, die sich schließlich nur noch mit Hilfe der Römer an der Macht halten konnte.
Die Römer regierten in dem Land von 63 vor bis 324 nach Christus. In diese Epoche fiel das Leben Jesu, die Entstehung des Neuen Testaments sowie der Jüdische Krieg, der 66 n. Chr. begann und 70 n. Chr. in einer blutigen Niederlage mit der Zerstörung des Tempels endete. Ein weiterer Aufstand wurde 135 n. Chr. niedergeschlagen. Danach wurde Jerusalem umbenannt in Aelia Capitolina. Juden durften die Stadt nun nicht mehr betreten. Sie lebten aber weiter in dem Land. Die Römer nannten es nun nicht mehr „Judaea“, sondern „Syria Palaestina“. So wollten sie die jüdische Geschichte vergessen machen.
324 begann mit der Herrschaft von Kaiser Konstantin I. die byzantinische Periode, für die Juden eine schreckliche Zeit.
638 eroberten Muslime das Land und begründeten ein Kalifat. Die Lage der Juden besserte sich erheblich.
Generell erging es den Juden im Mittelalter unter muslimischer Herrschaft besser als unter christlicher. Gleichberechtigt waren sie aber auch im muslimischen Kulturkreis nicht. Auch hier gab es Pogrome, wenn auch seltener. Meistens durften die Juden im Land ihre religiösen Traditionen pflegen. So konnten sich bis zu den Kreuzzügen große jüdische Gemeinden entwickeln, unter anderem in Jerusalem, Tiberias, Rafah, Gaza, Aschkelon, Jaffa und Caesarea.
1099 eroberten die Kreuzritter das Land. Sie errichteten eine Schreckensherrschaft und massakrierten viele Juden.
1187 eroberte Saladin Jerusalem für die Muslime zurück. Die Kreuzritter blieben jedoch im Land, bis sie von 1260 bis 1291 Schritt für Schritt vertrieben wurden durch die muslimischen Mamluken, eine Herrscherdynastie, hervorgegangen aus ehemaligen Militärsklaven. Für die Juden war es eine wechselvolle Zeit. Aber insgesamt war ihre Lage nun wesentlich besser als unter den Kreuzrittern. Viele Rabbiner und jüdische Pilger wanderten ein, sodass die Zahl der Juden wieder anstieg.
1516 und 1517 wurde das Land von den türkischen Osmanen erobert. Auch in ihrem Reich waren die Juden zwar nicht gleichberechtigt, lebten aber meist sicher und von der Gesellschaft akzeptiert.
Während des Osmanischen Reiches war das Land kaum entwickelt und nur schwach bevölkert. Von den nicht einmal 300.000 Menschen, die Anfang des 19. Jahrhunderts hier lebten, waren die meisten erst in den letzten Jahrzehnten gekommen. Sie bewohnten ein landwirtschaftlich kaum nutzbares Land, bestehend aus kargem Bergland, Wüste und malariaverseuchten Sümpfen.
Verfolgt: die Diaspora im 19. Jahrhundert
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in dem Land nicht viel mehr als 10.000 Juden, während mehrere Millionen Juden über die Welt verstreut lebten. Dort waren sie weiter bedrängt durch den religiös motivierten Antijudaismus aus dem Mittelalter. Oft mussten sie absurde Schikanen ertragen. So gab es im Russischen Reich nur für Juden eine bis zu 25-jährige Militärdienstpflicht. Im Westen gab es Ansätze zur rechtlichen Gleichstellung der Juden. Aber die wurden immer wieder zurückgenommen oder durch Gewalt-Exzesse konterkariert.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam eine neue Form von Judenhass hinzu: der sich „wissenschaftlich“ gebärdende Antisemitismus. Diesem konnten sich die Juden auch durch Konversion nicht entziehen.
In Russland kam es seit 1881 immer wieder zu schweren Pogromen. Statt die Juden davor zu schützen, verschärfte das Zaren-Regime seine judenfeindlichen Gesetze noch, während Antisemiten mit ihrer hemmungslosen Hass-Propaganda immer weiter Öl ins Feuer gossen.
Gewalt-Exzesse im russischen Kaiserreich, pseudowissenschaftlicher Antisemitismus in vermeintlich aufgeklärten Ländern wie Frankreich: Es war dieses judenfeindliche Klima, in dem der Publizist Theodor Herzl zum Begründer des Zionismus wurde.
Zionismus: das Land im 20. Jahrhundert
Noch 1893 hatte Herzl die Assimilation der Juden in die christliche Gesellschaft befürwortet: Damals plädierte er für Massenkonversion zum Katholizismus. Aber 1895 wurde er in Frankreich Zeuge der öffentlichen Demütigung des Hauptmanns Alfred Dreyfus, dessen einzige „Verfehlung“ darin bestand, Jude zu sein.
Von da an war ihm klar: Wie sehr sich Juden auch assimilieren mögen – sie werden in keinem Land der Welt jemals vor Diskriminierung sicher sein, außer in ihrem eigenen. Sie brauchen einen eigenen Staat.
1897 forderte Theodor Herzl auf dem ersten Zionistenkongress in Basel einen Judenstaat in Palästina. Seit 1901 wurden dort jüdische Ansiedlungen durch den Jüdischen Nationalfonds gefördert. Von den ersten Einwanderern waren die meisten Flüchtlinge aus dem Russischen Reich. Sie kultivierten die verseuchten Sümpfe und machten das Land urbar.
Bis 1914 war die jüdische Bevölkerung im Land von gut 10.000 auf etwa 85.000 Menschen angewachsen. Ihr Erfolg machte die Region nach Jahrhunderten der Verwahrlosung wieder attraktiv.
Das zog nicht nur Juden an: Erheblich größer war der Zuzug der Araber. Für sie war Palästina durch die jüdischen Pioniere überhaupt erst interessant geworden. Denn die Juden waren es, die die zuvor unfruchtbare Erde ertragreich gemacht und in dem zuvor stark unterbevölkerten Land für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt und Arbeitsplätze geschaffen hatten. Auch die bessere medizinische Versorgung war den Juden zu verdanken.
Die Juden kamen als Flüchtlinge, aus schierer Not, um ihr Leben zu retten. Die Araber kamen, um von den Vorleistungen der jüdischen Pioniere wirtschaftlich zu profitieren.
Und warum auch nicht? Juden und Palästinenser hätten friedlich koexistieren können.
Arabisch-jüdische Spannungen: Die Briten versagen
1919 sah es nach einer friedlichen Lösung aus. Denn es bestand Einigkeit zwischen Faisal, dem späteren syrischen und irakischen König, und Chaim Weizmann, dem späteren israelischen Staatspräsidenten. Die beiden unterzeichneten ein Abkommen, in dem die jüdische Einwanderung nach Palästina ausdrücklich begrüßt und gefördert wurde.
Wäre dieses Abkommen in Kraft getreten, hätte sich das arabisch-jüdische Verhältnis friedlich und positiv entwickeln können. Aber die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien hatten andere Pläne.
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die Briten Palästina von den türkischen Osmanen als Völkerbund-Mandat. Sie hatten den Auftrag, dort eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen. Davon taten sie jedoch das genaue Gegenteil.
Es begann damit, dass die Briten die Juden von vier Fünftel ihres Mandatsgebiets ausschlossen. Denn das Mandat für Palästina umfasste nicht nur das Land zwischen Mittelmeer und Jordan, sondern auch eine viermal so große Region östlich des Jordan: das heutige Königreich Jordanien. 1922 trennten die Briten diesen Teil ab und erklärten ihn zum arabischen Emirat Transjordanien. Kein Jude durfte sich hier niederlassen.
Für die jüdische Heimstätte blieb also nur noch ein Fünftel des ursprünglichen Gebiets. Doch auch hier wurden die Juden benachteiligt: Während die Briten alle Araber ohne Einschränkungen einwandern ließen, schränkten sie den Landerwerb durch Juden vertragswidrig immer weiter ein.
Das taten sie aus Angst vor dem Terror der Araber. Jeden Anschlag belohnten die Briten mit immer neuen Zugeständnissen. So verschlimmerte sich die die Lage der Juden immer weiter.
1933 kamen in Deutschland die Nazis an die Macht. Die Lage der Juden in Europa wurde immer verzweifelter. Immer mehr mussten nach Palästina fliehen. Aber die Briten ließen sie nicht.
Es ist also kein Wunder, dass vor der Staatsgründung Israels mehr Araber als Juden in dem Land lebten: Jüdische Pioniere hatten das Land attraktiv gemacht. Viele Araber wollten deshalb einwandern und durften es. Die Juden mussten einwandern und durften nicht.
Zuhause rüsteten die Briten für den Krieg gegen Nazi-Deutschland – in Palästina ließen sie dem Erz-Nazi al-Husseini freie Hand.
Die Vaterfigur des Palästinismus: ein Nazi
1921 hatte die britische Mandatsmacht einen entsetzlichen Fehler begangen: Sie hatte den fanatischen Antisemiten Mohammed Amin al-Husseini zum Großmufti von Jerusalem ernannt. Damit war er nun auch ihr Ansprechpartner für die Anliegen der arabischen Bevölkerung im Land.
Mohammed al-Husseini wird heute von PLO wie Hamas verehrt als die überragende Vaterfigur der palästinensischen Sache. Damit stellt sich der Palästinismus in die Tradition des Nationalsozialismus. Denn al-Husseini war ein Nazi, wie man sich ihn abscheulicher nicht vorstellen kann.
Die Briten hätten es wissen können. Denn bereits 1920 hatte al-Husseini Terrorkommandos gegen Juden organisiert. Unter seiner Tyrannei litten auch die Palästinenser: Wer sich weigerte, das traditionelle Palästinensertuch zu tragen, oder wer den Ausgleich mit der jüdischen Bevölkerung suchte, wurde ermordet.
1929 verbreitete al-Husseini die Lüge, dass die Juden einen Anschlag auf den Tempelberg planen würden. Entsetzliche Pogrome waren die Folge.
Während der Nazizeit mobilisierte al-Husseini Muslime für die Waffen-SS, förderte die judenfeindliche Nazi-Propaganda im arabischen Raum und tat alles, um die Flucht von Juden aus Osteuropa zu verhindern. Dass sie dort von den Nazis ermordet würden, war ihm nur recht: Ohnehin drang er bei Hitler darauf, die Juden auch in Nahost auszurotten. Immer wieder rief er die Araber und Muslime auf: „Tötet alle Juden!“
Hätte al-Husseini nicht den arabischen Aufstand von 1936 bis 1939 befeuert, wären möglicherweise Millionen europäische Juden dem Holocaust entgangen.
Nach dem Krieg nutzte al-Husseini seinen Einfluss auf die arabischen Staaten, um eine Zweistaatenlösung zu verhindern und sie in den Krieg gegen Israel zu hetzen.
1937: die abgelehnte zweite Zweistaatenlösung
Mit der Abtrennung des arabischen Transjordanien vom restlichen Mandatsgebiet Palästina im Jahr 1922 hatten die Briten de facto eine erste Zweistaatenlösung umgesetzt. 1937 wollten sie das verbleibende Fünftel weiter zwischen Arabern und Juden aufteilen. Die Araber hätten einen wesentlich größeren, zusammenhängenden Teil erhalten, der kleinere jüdische Teil wäre durch einen britisch kontrollierten Korridor getrennt gewesen. Obwohl dieser Plan der „Peel-Kommission“ unvorteilhaft für die Juden war, nahmen sie ihn an, um so viele Juden wie möglich aus Europa retten zu können.
Die Araber hätten die Gewinner dieser Zwangslage sein können. Doch al-Husseini lehnte ab. Er sagte auch nein, als die Briten 1939 anboten, den Zuzug der Juden auf nur noch 75.000 Personen zu begrenzen, verteilt über fünf Jahre: Der fanatische Judenhasser wollte sich mit nichts weniger zufrieden gegeben als mit der Vertreibung und Ausrottung aller Juden in Palästina.
Nach 1945: Rettung erst im eigenen Staat
Mit der Kapitulation Nazi-Deutschlands 1945 war das Elend der jüdischen KZ-Häftlinge nicht zuende: Europaweit 250.000 von ihnen wurden weiterhin in den ehemaligen Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern der Nazis festgehalten, weil niemand sie aufnahm. Oft trugen sie noch ihre alte Häftlingskleidung. Zudem waren sie weiterhin von Pogromen bedroht. So wurden im polnischen Kielce Dutzende Holocaust-Überlebende von einem rasenden Mob ermordet.
Dennoch hinderten die Briten noch 1947 flüchtige Juden an der Einreise nach Palästina. Doch im selben Jahr wendete sich das Blatt: Die Briten gaben die Verantwortung für Palästina an die Vereinten Nationen zurück. Woran sie gescheitert waren, brachte ihr Außenminister Ernest Bevin so auf den Punkt: „Die Regierung Seiner Majestät ist konfrontiert mit einem unlösbaren Konflikt zwischen zwei Prinzipien. … Für die Juden ist die Top-Priorität die Schaffung eines souveränen jüdischen Staates. Für die Araber ist die Top-Priorität, jüdische Souveränität um jeden Preis zu verhindern, in jedem Teil Palästinas.“
Die Araber – heute würde Bevin sagen: die Palästinenser – lehnten also jüdische Selbstbestimmung ab, ganz egal wo im Land, ganz egal wie winzig das jüdische Staatsgebiet auch sei.
Damals gab es noch kein „Flüchtlingsproblem“, keine Siedlungen in der Westbank, keine Checkpoints, keine Sperranlagen. All das kann also nicht die Ursache des Konflikts sein. Vielmehr ist die wahre Ursache des Konflikts seit Bevins Tagen dieselbe geblieben: Die Palästinenser bestehen darauf, dass die Juden von dem Land nicht etwa weniger, sondern buchstäblich nichts bekommen.
Der UN-Teilungsplan in einen jüdischen und einen arabischen Staat wurde am 29. November 1947 beschlossen. Die Palästinenser haben damals nur deshalb keinen eigenen Staat bekommen, weil sie den Plan ablehnten – und damit auch ihren eigenen Staat.
Am 14. Mai 1948 verließen die Briten ihr ehemaliges Mandatsgebiet – und David Ben-Gurion verkündete die Gründung des Staates Israel.
Nakba: der gescheiterte Holocaust 2.0
Noch in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1948 erklärten Ägypten, Transjordanien, Libanon, der Irak und Syrien dem jungen Staat den Krieg. Ihre Absicht hatten sie vielfach in blutrünstigen Worten erklärt: Abgesehen von dem etwas moderateren Transjordanien, wollten sie nichts weniger als die Ausrottung von Israels Juden. Einen neuen Holocaust, kaum dass die Juden dem alten entronnen waren.
Dass es den Juden damals gelang, diesen neuen Holocaust zu verhindern: Das ist es, was die Palästinenser bis heute als „Nakba“ – Katastrophe – betrauern.
Sicherlich, es ist nicht nur das: Damals mussten mehr als 700.000 Palästinenser aus Israel fliehen oder wurden vertrieben. Viele palästinensische Zivilisten, die damals alles verloren, verdienen unser Mitgefühl. Aber wie viele von ihnen gingen, weil sie dem geplanten Holocaust nicht im Wege stehen wollten? Wie viele verließen ihre Dörfer in der Vorfreude auf das Blutbad an ihren jüdischen Nachbarn? Und wie hätten die Juden zu solchen Nachbarn jemals wieder Vertrauen fassen können?
Dass die palästinensischen Flüchtlinge nach dem gescheiterten Holocaust 2.0 nicht einfach zurückkehren konnten, als wäre nichts gewesen: Diese „Nakba“ ist in aller Munde. Dass es auch eine „jüdische Nakba“ gab: Davon redet niemand.
Über 800.000 Juden mussten zwischen 1948 und 1972 ihre Heimat in arabischen und anderen muslimisch geprägten Ländern verlassen. Wie groß Israel wohl wäre, wenn die Quadratkilometer Landbesitz, die sie entschädigungslos zurücklassen mussten, angefügt würden?
Israels Kriege: Selbstverteidigung gegen Völkermord
Der Unabhängigkeitskrieg endete 1949. Die Waffenstillstandslinie von damals, die „Grüne Linie“, wurde von den arabischen Ländern niemals als Grenze anerkannt. Dennoch wird von Israel erwartet, dass es so tut, als ob die Grüne Linie eine anerkannte Grenze wäre.
Natürlich nur, wenn es passt. Zum Beispiel, wenn Israel nach einem Krieg, in dem es die Ausrottung seiner Bevölkerung abgewendet hat, die Gebiete zurückgeben soll, die es bei dieser Gelegenheit erobert hat.
Alle Kriege, die Israel nach 1948 führen musste, waren Verteidigungskriege gegen Feinde mit genozidalen Absichten.
1956: Suezkrise
1955 begann der ägyptische Präsident Nasser, ein sowjetisches Waffenarsenal für den nächsten Krieg anzulegen und Terroristen ausbilden zu lassen. 1956 erhielt er den Oberbefehl auch über die Armeen von Syrien und Jordanien. Terror-Attacken nahmen zu. Israel blieb nichts anderes übrig, als sich zu verteidigen, im Verbund mit Großbritannien und Frankreich. Für die beiden europäischen Länder endete der Konflikt mit einer Niederlage. Doch Israel gelang es, die Bedrohung seiner Grenze durch ägyptische Terroristen zu bannen und den Zugang zu der wichtigen Schifffahrtsroute durch den Golf von Akaba zu sichern.
1967: Sechstagekrieg
Im Sechstagekrieg kam Israel einem Angriff Ägyptens, Jordaniens und Syriens zuvor, dessen Ziele der syrische Verteidungsminister 1966 so formuliert hatte: „Wir sind entschlossen, diese Erde mit dem Blut der Israelis zu tränken und sie ins Meer zu treiben.“ Der PLO-Führer Ahmad Shukeri hatte eine Woche vor Kriegsbeginn erklärt: „Ich gehe davon aus, dass niemand am Leben bleibt.“ Doch Israel gewann den Krieg und eroberte Gebiete, von denen aus es immer wieder angegriffen worden war: den Gazastreifen, die Sinaihalbinsel, die Westbank mit Ostjerusalem und die Golan-Höhen.
1973: Jom-Kippur-Krieg
An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, griffen Ägypten und Syrien überraschend Israel an. Unterstützt wurden sie von sieben weiteren arabischen Staaten sowie von der Sowjetunion. Ihr Ziel war die Rückgewinnung der Gebiete, die Israel 1967 erobert hatte. Das hätten sie durch Friedensverhandlungen erreichen können. Aber die Arabische Liga wollte keinen Frieden. Den hatte sie mit ihren drei „Nein“ ausgeschlossen: nein zum Frieden mit Israel – nein zur Anerkennung Israels – nein zu Verhandlungen mit Israel. Der Krieg endete für beide Seiten nach hohen Verlusten im Wesentlichen ohne Geländegewinne.
1982: erster Libanonkrieg
1982 griff Israel Stellungen der Terrororganisation PLO im Libanon an, von denen aus der Norden Israels immer wieder angegriffen worden war. Henry Kissinger verteidigte die Operation wie folgt: „Kein souveräner Staat kann auf Dauer dulden, dass an seinen Grenzen eine Militärmacht entsteht, die auf seine Zerstörung aus ist und die ihre Ziele durch regelmäßigen Beschuss und Überfälle verfolgt.“
1987 – 1993: Erste Intifada
Die Erste Intifada war ein palästinensischer Aufstand, der von einer Falschmeldung ausgelöst worden war: Ein Verkehrsunfall war für einen jüdischen Terroranschlag gehalten worden. Es entlud sich aber auch der Frust über die Besatzung von Westbank und Gaza. Dass Israel diese Gebiete im Rahmen von Friedensverhandlungen zurückgeben wollte, war den Aufständischen egal. Sie warfen auf Soldaten wie Zivilisten Steine, Molotow-Cocktails und Handgranaten, blockierten Straßen, entzündeten Reifen und griffen mit Gewehren und Sprengsätzen an.
Der Aufstand wurde von einer fanatisierten Jugend getragen, von Gerüchten befeuert und von der PLO instrumentalisiert. Zu den Opfern gehörten auch Palästinenser: Wer als „Kollaborateur“ galt, den ließ der spätere Friedensnobelpreisträger Arafat erstechen, mit Äxten zerhacken, erschießen, mit Knüppeln erschlagen oder mit Säure verbrühen. Auch Frauen waren unter den Opfern.
In Israel führte die Erste Intifada zu einem Erstarken der Linken und der Friedensbewegung. Denn damals sagten sich viele jüdische Israelis: Wenn die jungen Palästinenser so wütend sind, dann müssen wir etwas falsch gemacht haben.
Das änderte sich mit der Zweiten Intifada.
2000 – 2005: Zweite Intifada
Die Erste Intifada hatte in Israel große Betroffenheit ausgelöst. Viele Israelis hatten die Ursache für den Gewaltausbruch bei sich selbst gesehen: War es nicht verständlich, dass die Palästinenser gegen die Besatzung von Gaza, Westbank und Golan aufbegehrten?
Um den Palästinensern entgegenzukommen, hatten nun viele Israelis den Friedensprozess unterstützt: Die besetzten Gebiete sollten an die Araber zurückgegeben werden. Dann, so die Hoffnung, würden die Palästinenser Frieden schließen.
Aus heutiger Sicht hätte man es damals schon besser wissen können. Denn die Palästinenser sagten es offen: Sie wollten keinen Frieden. Sie wollten nicht einen palästinensischen Staat, sondern keinen jüdischen Staat.
Aber das wollte man damals nicht wahrhaben. Und so kam es zum Oslo-Friedensprozess. Dabei ging es Arafat nie um Frieden, sondern stets nur darum, in der Westbank palästinensische staatliche Strukturen zu schaffen, die sich später als Basen für Terror gegen Israel nutzen ließen.
Diesem Ziel kam Arafat mit den Oslo-Verträgen einen großen Schritt näher: 1995 wurde eine palästinensische Regierungsbehörde vereinbart, die über 80 % der Palästinenser in der Westbank regieren sollte. Die anderen Gebiete sollten teils von Israel, teils gemeinsam verwaltet werden. Nach einer Übergangszeit von fünf Jahren sollte dann ein Friedensvertrag unterzeichnet und die Westbank fast komplett den Palästinensern übergeben werden.
Alles war auf dem besten Weg zum Frieden – meinten die Israelis. Daher fielen sie aus allen Wolken, als Arafat die Friedensverhandlungen abbrach und die Zweite Intifada entfesselte.
Wozu, um Himmels willen? Warum ermorden sie jetzt noch unsere Kinder, jetzt, wo wir ihnen so sehr entgegenkommen wie noch nie?
Das Angebot für den Rückzug aus den besetzten Gebieten war da. Die Israelische Armee hatte sich bereits aus den großen Bevölkerungszentren der Westbank zurückgezogen, um sie der Palästinensischen Autonomiebehörde und palästinensischen Sicherheitskräften zu überlassen. Alles war auf dem Weg zu einem eigenen Staat Palästina. Schwierige Fragen waren noch zu klären, doch viel war bereits erreicht, und es fehlte nicht an der Bereitschaft der Israelis, gemeinsam mit den Palästinensern Lösungen zu finden.
Aber Arafat verließ den Verhandlungstisch und entfesselte den Straßenterror der Zweiten Intifada. Warum?
Oft wird Ariel Sharons Besuch auf dem Tempelberg als Grund für die Zweite Intifada genannt. Dabei war Sharon damals gar nicht in der Regierung. Diese hatte die Erlaubnis für Sharons Besuch nur unwillig erteilt und erst, nachdem sie sich mit den palästinensischen Sicherheitsbehörden abgesprochen hatte.
Ein Oppositionspolitiker geht auf einem Berg spazieren: Das soll der Grund sein für die Rekrutierung von geschätzt tausend Selbstmordattentätern – die meisten rechtzeitig gestoppt – und 140 Anschlägen, oft gezielt gegen Kinder? Das soll der Grund sein für den Mord an über tausend Israelis?
Heute wissen wir, dass der Terror-Pate Arafat die Zweite Intifada vor Sharons Besuch längst beschlossen hatte.
Aufgeschreckt von der Ersten Intifada, hatten die Israelis über ein Ende der Besatzung verhandelt – und das Ergebnis war eine noch viel schlimmere Intifada. Ein Blutbad ohne Ende.
Jetzt suchten die Israelis die Schuld nicht mehr bei sich selbst. Und die Lösung nicht mehr in Verhandlungen. Mit wem auch sollten sie über ihre Sicherheit verhandeln? Mit den PLO- und Hamas-Nazis, die nichts weniger im Sinn hatten als die Ausrottung aller Juden?
Nein: Wenn die Israelis sicher leben wollten, mussten sie Sperranlagen bauen, Checkpoints einrichten, Militärpräsenz zeigen.
Dieser Realismus hat vielen Menschen das Leben gerettet.
2006: Zweiter Libanonkrieg
2000 beendete Israel eine 18-jährige Militärpräsenz im Südlibanon. Doch die dortige Terrororganisation Hisbollah verstand das nicht als Zeichen guten Willens, sondern – wie jedes Entgegenkommen Israels – als Schwäche. Sie übernahm die Macht im Südlibanon, häufte tausende Tonnen an Waffen auf, infiltrierte die Zivilbevölkerung, schuf ein Netzwerk von Bunkern und Terror-Basen, entführte Soldaten und attackierte immer wieder den Norden Israels. Alles für eine Mission: den Völkermord an den israelischen Juden. 2006 hatte die Bedrohung ein Ausmaß angenommen, das die Israelis zum Handeln zwang.
Der Krieg endete mit einem Waffenstillstand. Im Südlibanon wurden UN-Blauhelmsoldaten stationiert.
Blauhelme? Zinnsoldaten wären sinnvoller gewesen. Denn die Blauhelme waren nicht nur nutzlos – sie dienten der Hisbollah auch als menschliche Schutzschilde für den ungestörten Aufbau des nächsten Terror-Arsenals.
2023 hatte die Hisbollah unter diesem Schutz alles fertig vorbereitet für ein Massaker im Norden Israels. Es sollte genauso bestialisch werden wie das Hamas-Massaker vom 7. Oktober, nur in seinen Dimensionen um ein Vielfaches größer. Ein Alptraum, den nur das Eingreifen der israelischen Armee noch rechtzeitig verhinderte.
Übergehen wir die Militär-Operationen, die Israel immer wieder im Gaza durchführen musste, um die genozidale Hamas im Zaum zu halten. Machen wir uns klar, was die Feinde Israels tun, wenn Israel die Bedrohung nur für einen Moment aus den Augen verliert: Vergegenwärtigen wir uns das Massaker vom 7. Oktober 2023.
7. Oktober 2023: das Ende der Zweistaatenlösung
Mit dem 7. Oktober 2023 haben die Palästinenser das Recht auf einen eigenen Staat Palästina verwirkt. Das ist meine persönliche Meinung. Ich will sie begründen.
Stellen Sie sich vor, es gäbe in Deutschland eine indigene Volksgruppe, nennen wir sie die Korpen. Diese Volksgruppe hätte Forderungen wie: Schutz vor Diskriminierung am Wohn- und Arbeitsmarkt; bessere medizinische Versorgung; erleichterter Zugang zu höherer Bildung; höherer Mindestlohn; Wohn- und Fahrtgeld. Keine maßlosen Forderungen also.
Und nun würden die Korpen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, Kinder verbrennen, Frauen vergewaltigen, jugendliche Festival-Besucher erschießen, Vätern vor den Augen ihrer Kinder den Penis abschneiden, Eltern vor ihren Kindern und Kinder vor ihren Eltern langsam und unter entsetzlichen Qualen zu Tode foltern, Geiseln entführen, misshandeln und so abmagern lassen, dass sie aussehen wie die Opfer in den Vernichtungslagern der Nazis.
Wie würden Sie reagieren?
Etwa so: „Über die Methoden der Korpen kann man ja geteilter Meinung sein. Aber ihre Forderungen sind doch berechtigt. Die armen Korpen! Wie sehr müssen sie leiden, dass sie zu solchen Methoden greifen. Wie böse wir doch sind, dass wir ihre Forderungen nicht schon längst erfüllt haben. Das müssen wir jetzt schleunigst nachholen.“
Oder nicht doch eher so: „Was haben wir denn da für Bestien als Nachbarn. Das lassen wir kein zweites Mal zu.“
Die Palästinenser in Gaza und der Westbank sind solche Nachbarn. Sie haben am 7. Oktober 2023 die Mörder, die diese Methoden angewandt haben, frenetisch bejubelt. Bei freien Wahlen würden sie genau diese Mörder wieder wählen. „Ganz Gaza ist Hamas“: Das ist die Erfahrung, die die israelischen Geiseln gemacht haben.
Was soll besser werden, wenn man solche Unmenschen auch noch mit einem eigenen Staat belohnt, in dem sie vorantreiben können, was ihre oberste Priorität ist: die Ausrottung der Juden?
Wer einen eigenen Staat will, von dem darf man erwarten, dass er sich um das Vertrauen seiner Nachbarn bemüht: Sie sollen sicher sein, dass der neue Staat ein friedlicher Nachbar sein wird. Von all dem verspricht die politische Vertretung der Palästinenser das exakte Gegenteil: Noch immer haben sie jede Gelegenheit genutzt, Vertrauen zu zerstören, und nichts in Aussicht gestellt als Feindschaft, Tod und Zerstörung.
Es mag eines fernen Tages sinnvoll sein, den Palästinensern einen eigenen Staat zu geben. Aber erst, nachdem diese der Gewalt glaubwürdig, dauerhaft und vollständig abgeschworen haben. Und nicht mehr als ein Recht, sondern als ein Zugeständnis, das Israel geben kann oder auch nicht.
Ob und wann die Israelis ihren Nachbarn in Gaza und Westbank jemals wieder vertrauen können, müssen sie selbst entscheiden.
Was für die Palästinenser in Gaza und der Westbank aktuell angestrebt werden sollte, ist kein Staat, sondern: alles, was sie brauchen, um ein gutes Leben zu führen – und nichts, was sie brauchen, um Juden zu massakrieren.
Palästinismus: eine Ideologie der Zerstörung
An dieser Stelle möchte ich auf die Unterscheidung zurückkommen zwischen Palästinensern und Palästinisten (nach Einat Wilf).
Palästinisten lehnen einen jüdischen Staat ab, egal in welcher Form, egal in welchem Teil des Landes, wie klein er auch sei.
Manche Palästinisten erkennen scheinbar das Existenzrecht Israels an. Damit meinen sie aber nicht Israel als jüdischen Staat, sondern als Staat der „zurückgekehrten“ palästinensischen sechs Millionen „Flüchtlinge“. Unter Zweistaatenlösung verstehen sie also zwei palästinensische Staaten und keinen jüdischen Staat.
Nicht jeder Palästinenser ist Palästinist, und nicht jeder Palästinist ist Palästinenser. Zu den Palästinisten zählen die Hamas, die PLO, weitere verbündete Terrorgruppen sowie ihre Unterstützer, ihre Anhänger und ihre nützlichen Idioten.
Unsere fiktiven Korpen stellten Forderungen, die erfüllbar wären, wenn da die Gewalt nicht wäre. Bei den Palästinisten dagegen ist schon die Forderung indiskutabel: Es ist nicht etwa ein eigener Staat. Es ist nichts weniger als die Bereitschaft der israelischen Juden, sich wehrlos vertreiben und ausrotten zu lassen.
Postkolonialismus: Antisemitismus von links
Linke Ideologen framen Israel als die Kolonialmacht par excellence. Tatsächlich ist Israel das genaue Gegenteil.
Kolonialmächte unterwerfen fremde Länder. Aber für die Juden war Israel nie ein fremdes Land: Seit Jahrtausenden haben Juden hier gelebt, ihre Religion und Kultur ist unauflöslich mit diesem Land verbunden.
Kolonialmächte gründen Kolonien, um ihre Ressourcen für sich auszubeuten. Aber die Juden, die Israel aufbauten, handelten nicht im Dienst einer fremden Macht. Sie haben das Land nicht ausgebeutet, sondern entwickelt.
Kolonialmächte behandeln die Kolonisierten wie Menschen zweiter Klasse. Aber die israelischen Palästinenser sind den Juden rechtlich gleichgestellt und auf allen Hierarchieebenen der Gesellschaft gleichberechtigt vertreten. Dass die Palästinenser in Gaza und der Westbank stattdessen unter Krieg, Checkpoints und Kontrollen leiden, haben sie sich selbst zuzuschreiben: Sie müssten nur ihre finstere Entschlossenheit aufgeben, ihre jüdischen Nachbarn auszurotten.
Kolonialisten kommen in fremde Länder im Auftrag einer fremden Macht. Das trifft nicht zu auf die Juden, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in das Land Israel einwanderten. Sie kamen als Flüchtlinge, Verfolgte, von ihren Heimatländern Verstoßene, die nirgendwo sonst Aufnahme gefunden hatten.
Palästinenser und Juden: Wem gehört das Land?
Nicht nur die Juden, auch die Palästinenser haben eine starke historische und kulturelle Bindung an das Land. Und als seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zionistische Pioniere in Palästina einwanderten, fanden sie dort – neben Juden und anderen Volksgruppen – auch Palästinenser vor.
Genauer: palästinensische Araber. Denn von einem palästinensischen Volk sprach damals noch niemand.
Seit wann gibt es ein palästinensisches Volk?
Palästinenser sind Araber mit Wurzeln in dem Land zwischen Mittelmeer und Jordan. Sicherlich dürften einige von ihnen erst mit den muslimischen Eroberern im 7. Jahrhundert ins Land gekommen sein. Für andere lässt sich jedoch heute mit Erbgut-Analysen nachweisen, dass ihre Wurzeln genauso weit zurückreichen wie die der Juden.
Doch seit wann spricht man von den Palästinensern als von einem Volk?
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war das nicht üblich. Araber, die die „Befreiung Palästinas“ forderten, meinten damit nicht die Gründung eines Staates Palästina, sondern den Anschluss des Landes an das arabische Syrien.
Dass zunehmend die palästinensische Identität betont wurde, hatte politische Gründe: Ziel war es, der Forderung nach der Zerstörung Israels einen Anschein von Legitimität zu geben.
Denn wie klingt auf internationalem Parkett die folgende Forderung: „Wir wollen zu den bereits existierenden 22 arabischen Staaten noch einen dreiundzwanzigsten schaffen und dafür den einzigen jüdischen Staat, das winzige Israel, auslöschen.“
Dann doch besser so: „Wir wollen für das Volk der Palästinenser den ersten und einzigen Staat Palästina schaffen. Dafür muss Israel Platz machen.“
Das war der Hintergrund, vor dem 1964 in der Gründungs-Charta der PLO erstmals die Rede war von einem palästinensischen Volk. Die oberste Priorität dieser Terrororganisation war jedoch nie ein eigener palästinensischer Staat, sondern die Zerstörung des einzigen jüdischen Staates, konkret: die Vertreibung oder Ermordung aller im Land lebenden Juden.
Der Kern der palästinensischen Identität ist deshalb negativ und destruktiv. Das muss nicht so bleiben. Aber so lange es so ist, ist Palästina-Romantik blauäugig bis bösartig.
Kolonialismus? Welcher Kolonialismus?
Was ist also dran an dem Vorwurf, dass die jüdischen Pioniere den Arabern ihr Land weggenommen hätten?
Einen eigenen Staat hatten die Araber vor der Staatsgründung Israels genausowenig wie die Juden. Daher konnten die Juden ihnen auch keinen Staat wegnehmen.
Ein rein arabisches Land war Palästina nie gewesen. Schon immer hatten dort Angehörige verschiedener Volksstämme und Religionen gelebt. Juden gab es hier ohne Unterbrechung von mindestens etwa 1.200 v. Chr. bis heute.
Illegal war der Landbesitz der jüdischen Einwanderer ebenfalls nicht. Das Land, auf dem sie siedelten, hatten sie zuvor legal erworben. Teilweise von arabischen Großgrundbesitzern, die dort zuvor arabische Landarbeiter beschäftigt hatten.
Wo diese Landarbeiter in der Folge arbeitslos wurden, fühlten sie sich vertrieben – verständlicherweise. Aber die Juden vermieden solche Konflikte. Sie kauften bevorzugt Land, auf dem keine arabischen Pächter lebten. Land, das seit Jahrhunderten brach gelegen hatte und das sich nur mit großer Mühe urbar machen ließ. So vermieden sie es, Araber verdrängen zu müssen.
Erworben wurde das Land mit Hilfe wohlhabender Förderer, besiedelt wurde es von oft mittellosen Flüchtlingen, die mit Müh und Not entsetzlichen Pogromen entronnen waren. Sie kamen in ein Land, das politisch weder den Juden noch den Arabern gehörte, sondern Mächten, die beiden Volksgruppen fremd waren.
Nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich die jüdischen Einwanderer auf das Versprechen der Mandatsmacht Großbritannien berufen, in Palästina eine jüdische Heimstatt zu schaffen. Hinter diesem Versprechen stand der Völkerbund, der das Mandat erteilt hatte.
Warum eigentlich werden nur die jüdischen Einwanderer als „Kolonialisten“ beschimpft, nicht aber die arabischen? Politisch gehörte das Land weder den einen noch den anderen. Und es wanderten erheblich mehr Araber ein als Juden: Zwischen den beiden Weltkriegen stieg die jüdische Bevölkerung im Land um 470.000 Menschen an, die nichtjüdische um 588.000.
Von einem Miteinander hätten beide Seiten profitieren können. Dass es dazu nicht kam, schieben Linke gern auf einen zionistischen Kolonialismus, den es nie gab.
Der Grund für das Scheitern der arabisch-jüdischen Beziehungen hat einen anderen Namen: Antisemitismus.
Niemand ist über Kritik erhaben. Wie sollte Israel es sein?
Natürlich hat es auf israelischer Seite Verfehlungen gegeben. Wenn, wie seit 2023 in Gaza, etwa 160.000 Soldaten und 360.000 Reservisten unter extrem belastenden Bedingungen Krieg führen: Dann kann es nicht sein, dass jeder einzelne in jeder Situation das Richtige tut.
Verfehlungen müssen aufgearbeitet werden. Dass in israelischen Gefängnissen Palästinenser unter oft menschenunwürdigen Bedingungen gehalten werden, muss aufhören. Schikanen gegen Zivilisten an den Checkpoints in der Westbank sind widerlich. Die Gewalt jüdischer Extremisten gegen palästinensische Bauern dort braucht ebenso eine starke staatliche Antwort wie Aggressionen gegen friedliche Palästinenser in Israel. Und jede getötete Zivilistin, jeder getötete Zivilist in Gaza ist eine menschliche Tragödie, die unser Mitleid verdient.
Ich habe in diesem Beitrag vieles, was Palästinenserinnen und Palästinenser als Folge des Konflikts bedauerlicherweise erleiden mussten, nicht erwähnt. Das heißt aber nicht, dass mir dieses Leid gleichgültig ist. Ich will auch nicht, dass dieses Leid unter den Tisch gekehrt wird. Beide Seiten haben viel gelitten, und ich wünsche mir, dass beide Seiten es über sich bringen, das Leid des anderen zu würdigen.
Aber jede Kritik an Israel muss die dramatische Situation berücksichtigen, in der das Land sich befindet: Es ist umgeben von Bevölkerungen, die Juden hassen, aus keinem anderen Grund, als weil sie Juden sind. Es ist bedroht von Feinden, deren oberste Priorität der nächste Holocaust ist, wie Hamas, PLO und Hisbollah. Zu ihren mächtigen Unterstützern zählen Länder wie Iran, Katar und die Türkei, indirekt auch Russland und China. Sie lassen ihre Kinder in Terroristen-Kluft mit niedlichen Sprengstoff-Gürtelchen spielen, bilden an ihren Schulen Juden-Mörder aus und belohnen die Familien toter oder inhaftierter Mörder.
Und wenn die Gründung Israels ein Unrecht gewesen wäre?
Gehen wir für einen Moment auf die falsche Behauptung ein, dass die Gründung Israels ein Unrecht gewesen sei. Was würde daraus folgen?
Selbst dann müssten palästinensische Politiker einsehen: Wer ein Unrecht nach fast achtzig Jahren ungeschehen machen möchte, indem er versucht, den Zustand vor diesem Unrecht gewaltsam wiederherzustellen: Der stellt nicht das Recht wieder her, sondern schafft neues Unrecht.
Wie auch immer man die Staatsgründung Israels beurteilen mag: Seitdem sind hier Menschen geboren, die keine Schuld tragen an dem, was vor ihnen war. Das Land, in dem sie, ihre Kinder und Enkel geboren und aufgewachsen sind, ist nun ihre Heimat. Historische Ereignisse, selbst wenn es Vertreibungen gewesen sein mögen, geben niemandem das Recht, diese Menschen heute zu vertreiben oder zu ermorden.
Hören wir auf, Freund und Feind zu verwechseln
Doch solche Überlegungen werden keinen Terroristen überzeugen. Ihr Hass lässt sich durch nichts beschwichtigen, denn er ist religiös-ideologisch motiviert.
Letztlich gilt dieser Hass allen „Ungläubigen“ – also auch uns.
Längst haben die Terroristen ihr Messer auch an unsere Kehle gesetzt – und immer noch arbeiten wir uns ab an dem einzigen Staat in Nahost, der unsere Werte teilt, weil er zu den Mord-Bestien nicht nett genug ist.
Wir lassen uns einreden, der Konflikt habe seinen Grund darin, dass Israel den Palästinensern den Staat verweigere, der ihnen zustehe. Aber wenn es den palästinensischen Anführern darum ginge, dann hätten sie diesen Staat längst. Immer wieder wurde er ihnen angeboten, und jedesmal haben sie ihn abgelehnt. Nicht, weil die Juden bei welchem Teilungsplan auch immer zu viel abbekommen hätten. Sondern weil sie überhaupt etwas abbekommen hätten: Erst wenn die Juden gar nichts mehr bekommen, sind Palästinisten zufrieden.
Würden wir die Palästinisten gewähren lassen: Wem wäre geholfen? Den palästinensischen Müttern, die ihre Söhne verlieren würden an den nächsten Jihad? Den Queers, die auf den Straßen Palästinas zu Tode geschleift würden? Den kritisch denkenden Palästinensern, die von den Terroristen in ihren Folter-Kellern gelyncht würden?
Nein: Was wir brauchen, ist nicht ein zurückweichendes, sondern ein starkes Israel. Nicht beschwichtigte, sondern entmachtete Terroristen. Nicht eine gehirngewaschene Zivilgesellschaft, die den wiederaufgebauten Gaza präpariert für die Zerstörung Israels. Sondern eine entnazifizierte Zivilgesellschaft, die für ihre Kinder eine friedliche Zukunft will.
Die Israelis wären die letzten, die ihrer Zukunft im Weg stünden.
In Israel leben unter zehn Millionen Bürgern zwei Millionen Araber mit gleichen Bürgerrechten. In den arabischen Ländern leben unter vierhundert Millionen Bürgern gerade mal ein paar tausend Juden, stets in Furcht vor der nächsten antisemitischen Aufwallung. Wie war das nochmal: Wer wirft hier wem Vertreibung, ethnische Säuberung, Apartheid und Völkermord vor?
Es ist nicht Israel, es sind seine Feinde, die einen Völkermord anstreben.
Israels Feinde wollen die Juden ausrotten, Israel will sie schützen: Das ist im Kern der Konflikt, um den es geht. Ich weiß, wo ich stehe.
Quellen
Wenn Sie über das Leid der Palästinenser mehr erfahren wollen, als ich hier aufnehmen konnte, informieren Sie sich bitte an anderer Stelle.
Sollten Sie dabei auf Quellen stoßen, die bestreiten, dass die Feinde Israels etwas anderes wollen als die Vertreibung und Ermordung aller Juden in Israel: Dann ist das kein anderes Narrativ. Dann ist das eine Lüge.
Allgemein:
Adi Schwartz und Einat Wilf (2022): Der Kampf um Rückkehr. Wie die westliche Nachsicht für den palästinensischen Traum den Frieden behindert hat.
Noa Tishby (2022): Israel. Der Faktencheck über das am meisten missverstandene Land der Welt
Center for online Judaic Studies
Center for Online Judaic Studies | Jewish history from antiquity to today
Mena-Watch
Unabhängiger Nahost-Thinktank mit einem umfangreichen, kostenlos verfügbaren Informations-Angebot u. a. zu Israel.
https://www.mena-watch.com/
„Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Eckpunkte israelischer Geschichte
https://www.mena-watch.com/wp-content/uploads/2021/09/eckpunkte-israelischer-geschichte-dossier.pdf
Geschichte Palästinas
Dossier der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
Geschichtlicher Hintergrund rund um die Frage nach einem unabhängigen Staat Palästina.
https://www.lpb-bw.de/geschichte-palaestinas
Israelische Geschichte (Stand 2018)
Fünfteilige Serie zu Israels 70-jährigem Bestehen.
https://www.mena-watch.com/der-jude-unter-den-staaten/
Myths & Facts: A Guide to the Arab-Israeli Conflict
https://jewishvirtuallibrary.org/jsource/myths3/mftoc.html
Zu einzelnen Themen:
7. Oktober 2023
Eli Sharabi (2025): Hostage
Erfahrungsbericht von Eli Sharabi, ehemalige Geisel der Hamas.
Douglas Murray (2025): On Democracies and Death Cults. Israel and the Future of Civilization.
Über die Bestialität des Hamas-Massakers vom 7. Oktober und die Legitimität von Israels Selbstverteidigung.
Antisemitismus
Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert (Wolfgang Benz, Bundeszentrale für politische Bildung)
Judenfeindschaft und Verfolgung (Hamburger Schlüsseldokumente zur deutsch-jüdischen Geschichte)
Juden-Pogrome in Russland (WDR Stichtag 27.06.1881)
Geschichte der Juden in Russland (Wikipedia)
Juden in der russischen Armee
(Bis zu 25 Jahre Militärdienst für Juden in der russischen Armee unter Zar Nikolaus I. seit 1827, siehe auch Jüdische Rundschau)
Der britische Außenminister Ernest Bevin zum Konflikt zwischen Juden und palästinensischen Arabern (1947):
His Majesty’s Government have thus been faced with an irreconcilable conflict of principles … For the Jews the essential point of principle is the creation of a sovereign Jewish State. For the Arabs, the essential point of principle is to resist to the last the establishment of Jewish sovereignty in any part of Palestine.”
British Decision to Abandon the Mandate, Feb. 18, 1947. | Center for Online Judaic Studies
Erbgut-Analysen:
https://www.kirchevach.de/90-prozentige-genetische-abstammungabrahams-kinder/
Genomic History of the Middle East (2020)
Erziehung zum Hass durch die Palästinensische Autonomiebehörde:
Erziehung zum Hass. Eine Analyse palästinensischer Schulbücher
https://www.mena-watch.com/wp-content/uploads/2022/09/erziehung-zum-hass-palaestinensische-schulbuecher-dossier.pdf
Mohammed al-Husseini:
Aufschlussreich u. a.:
https://www.mena-watch.com/vom-weissbuch-zum-teilungsplan-die-jahre-vor-israels-staatsgruendung/
Faisal-Weizmann-Abkommen (1919):
https://mena-watch-lexikon.com/das-lexikon/geschichte/faisal-weizmann-abkommen/
Heimstätte für das jüdische Volk:
Balfour-Deklaration (1917)
https://www.mena-watch.com/100-jahre-balfour-deklaration/
Erste und Zweite Intifada:
Die Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Nahost-Konflikts in Israel
Podcast „Ask Haviv Anything“, Episode 10:
Thirty years of traumatic peacemaking – what do Israelis really think?
Mamluken:
https://www.israel-spezialist.de/herrschaft-der-mamluken.htm
Nakba:
https://www.mena-watch.com/die-nakba-erzaehlung-ist-unsinn/
„Jüdische Nakba“:
Vergessene Tragädie: Die jüdische „Nakba“. Die Vertreibung der Juden aus den arabischen Ländern. mena-watch 2024
https://www.mena-watch.com/wp-content/uploads/2024/02/JUeD.NAKBA_dossier-nr.6_s.1-32-_WEB_low.pdf
https://www.mena-watch.com/die-juedische-nakba-protokoll-einer-ignoranz/ (2023)
Zahlen zur Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern und Iran:
https://www.mena-watch.com/die-naqba-von-der-niemand-spricht/
Jüdische Nakba im Irak:
https://www.mena-watch.com/von-ehemals-150-000-juden-leben-im-irak-heute-weniger-als-zehn/
Oslo-Abkommen:
https://www.mena-watch.com/protokoll-sitzung-vor-oslo-abkommen/
Seit wann spricht man von Palästinensern?
https://mena-watch-lexikon.com/das-lexikon/palaestinenser/seit-wann-spricht-man-von-palaestinensern/
Sechstagekrieg 1967. Ursachen. Verlauf. Folgen. Deutsch-Israelische Gesellschaft 2017
https://www.mideastfreedomforum.org/fileadmin/editors_de/Broschueren/dig_1967_seiten_datenreduziert.pdf
Solidarität mit Juden und Israel:
https://www.dein-ak.com/
Alle Infos zum 10. Juli, dem alljährlichen Tag der Solidarität mit Juden und Israel.
Pogrome nach al-Husseinis Tempelberg-Lüge (1929):
https://www.israelnetz.com/reue-und-gedenken-an-das-hebron-massaker-von-1929/
Westjordanland:
Besetzt, umstritten, annektiert?
Jüdische Präsenz im Westjordanland. Eine völkerrechtliche Analyse
https://www.mena-watch.com/wp-content/uploads/2021/09/juedische-praesenz-im-westjordanland-voelkerrecht-dossier.pdf
Zweistaatenlösung:
Abgelehnt 1948:
https://www.mena-watch.com/vom-weissbuch-zum-teilungsplan-die-jahre-vor-israels-staatsgruendung/
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